Archiv des MonatsDezember, 2007

Ach du liebe Schneiderei

Ich liebe sie zwar sehr, aber in den letzten zwei bis drei Wochen ging die Liebe etwas zu weit. Aus dem Radio tönte täglich der Aufruf, dass es höchste Zeit für den Geschenke Einkauf wird, aber diesem Weihnachtshobby konnte ich nicht frönen. Nicht weil ich keine Lust hatte, nein das war nicht der Fall. Ich habe mich an der neuen Mode ergötzt für den Winter 2008/ 2009 und tolle Musterteile hergestellt. Mein Tagesablauf bestand 14 Tage lang aus ein paar Stunden Schlaf und sehr viel Arbeit.

Und natürlich meine Kunden, auch Sie wollten nicht vernachlässigt werden, so entstand hier noch eine Hose, da eine Bluse, oder der Rock für die Weihnachtsfeier den kein Laden im Angebot hatte. Und auch die kleinen Änderungen, wie das Kürzen der eleganten Hose, das erweitern des Lieblingsrockes für meine Sängerin, welche Weihnachten ein paar Auftritte zu absolvieren hatte, wollten ebenfalls noch erledigt werden. So bin ich in diesem besinnlichen Advent im wahrsten Sinn des Wortes, durch Zeit und Raum geflogen und am 23.12. völlig erschöpft wieder gelandet.

Um einen kleinen Einblick zu gewähren, hier ein paar Profiverarbeitungstechniken.
Zehn zugeschnittene Jacken lagen als Einzelteile vor mir und alle bekamen auf der Rückseite eine Einlage auffixiert, damit die gewünschte Optik entsteht. Ich habe also meine Bügelpresse angeworfen und meine Mitarbeiterin hat 6 lange Stunden die Einlage auffixiert. Danach mussten 33 Einzelteile pro Jacke zusammengesetzt werden. Um die Jacke in vollem Glanz erstrahlen zu lassen, habe ich insgesamt 100 Paspelknopflöcher und 30 Paspeltaschen eingearbeitet. Zusätzlich bekam das Jäckchen noch an verschiedenen Stellen ein Paspel zwischen den äußeren und inneren Stoff eingenäht. Das war eine ganz schöne Herausforderung.
Was sehr viele nicht wissen, die toll gearbeiteten Musterteile lassen sehr viele Firmen noch im eigenen Land anfertigen, die Produktion wird dann in Fernost erledigt.
Jetzt bringe ich wieder etwas Ordnung in mein Chaos und gleich nach dem ersten Januar geht es weiter mit der Arbeit, denn fertig bin ich trotz aller Anstrengung nicht geworden.

Mein eigenes Projekt Mode von EDITHION blieb etwas auf der Strecke und wir haben nur ein paar Teile produziert, aber diese erfreuen sich einer regen Nachfrage. Wollte schon längst meine Homepage damit bestücken, es lief mir einfach die Zeit davon. Vielleicht komme ich ja noch in den nächsten Tagen dazu.

Eine Anleitung für die Paspeltasche und die Knopflöcher finden Sie in meinem Online- Workshop Scherenschnitt, für Alle die das Schneidern der eigenen Garderobe mit etwas besonderem ausstatten möchten. Machen Sie es wie die Konfektion und setzen Sie Akzente durch Samt- oder Satinpaspel in einem schönen Wollstoff.

Das war nun mein kleiner Lagebericht über die Arbeit in der Schneiderei,

bis bald
Edith F

Kommentar

Vom kleinen Schwarzen bis zum Cocktail- Kleid alles kommt zum Einsatz bei der Weihnachtsfeier

Jetzt steht sie wieder an, die Weihnachtsfeier in der Firma. Bei manchen Betrieben ganz unkompliziert und normal das heißt, ohne sich besonders in Schale zu schmeißen. Andere dagegen feiern im Rahmen eines vor gegebenen Themas.

Dabei fällt mir die Weihnachtsfeier in einem bekannten Modeunternehmen ein, in welchem meine Tochter schon einige Jahre beschäftigt ist. Die erste Feier die sie in dieser Firma miterlebte stand unter dem Moto Orientalische Nacht. Das Ganze fand dann in einem Zelt statt, natürlich ganz Orientalisch.
Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten, welche Kleidung denn nun richtige sei, fanden wir in meinem Fundus etwas passendes. Von einigen früheren Modeschauen waren noch Kreationen vorhanden, die im normalen Straßenbild nicht tragbar waren. So wurde ein Kleid noch ein wenig aufgemöbelt und war danach für die „tausend und eine Nacht“ Feier Einsatz bereit.

Eine kleine Nähkästchen Plauderei habe ich an dieser Stelle auch noch zu bieten.

Eine meiner Kundinnen (eine Gräfin) bekam vor einigen Jahren eine ganz besondere Einladung zu einem 50. Geburtstag. Alle Gäste sollten im Barockstil erscheinen und dies war damals eine außergewöhnliche Herausforderung. Wir haben uns dann mächtig ins Zeug gelegt, zuerst Infos eingeholt und dann losgelegt. Es entstand ein tolles Barockkleid mit Perlenstickerei und als kleine Abrundung fertigten wir noch kleine Perlenstecker für das Haar. Die Haushälterin hat mir dann später erzählt, dass Frau Gräfin den ganzen Tag mit geschmücktem Haar und mit erhobenem Haupt unterwegs war, ganz adlig natürlich.
Wir bekamen dann ein großes Lob für die gelungene Robe von Ihr und Sie hätte sich darin sehr wohl gefühlt.

Ja das Wohlgefühl, was ist das eigentlich.

Jeder spricht vom Wohlgefühl, das Sie bei einem guten Essen empfinden wenn die auserwählten Zutaten Ihre Geschmacksnerven besonders streicheln. Alfons Schuhbeck beschreibt dies in seinen Kochsendungen immer ziemlich genau, was die Sinne anregt.
Und genau diese Empfindungen rufen auch gute Stoffe hervor, wenn daraus ein elegantes Kleidungsstück gearbeitet wird.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind zu einem Dinner eingeladen und Ihre innere Freude steigt von Stunde zu Stunde. Sie ziehen das Kleidchen aus dem Shop mit der preiswerten Mode an, es ist zwar nicht ganz passend, das Oberteil zu eng, der Schlitz zu hoch aber das wird schon irgendwie gehen. Nun gehen Sie zur Garage wo Ihr schickes Auto steht und fahren zum Lokal mit den 3 Sternen. Ein gepflegtes Ambiente erwartet Sie und plötzlich fällt Ihr Blick auf Ihre Kleidung. Irgendwie stimmt etwas nicht, all die schicken Menschen, in den edlen Kleidern, ich möchte doch nur schick essen gehen und keine Modenschau veranstalten, denken Sie. Zugegeben manch Zeitgenossen stört dies nicht sonderlich, aber auf der einen Seite genießen Sie das auserwählte Menü, welches sehr viele Euros kostet und sitzen in einem billigen Fummel am Tisch, es ist in gewisser Hinsicht doch ein Stilbruch.

Ich weiß es steht mir nicht zu über die Anzieh- Gepflogenheiten meiner Mitmenschen zu urteilen, ich möchte lediglich einen kleinen Gedanklichen Anstoß für die ganz normalen Dinge im Leben geben, wie, was und wann ziehe ich mich gepflegt und schön an.

Wie würde ein Kleid aus einem wundervollen Material doch Ihre Wahrnehmung noch intensiver werden lassen, wenn Sie das genussvolle Dinner darin genießen könnten. Schon die Vorspeise würde Sie berauschen. Allein der Gedanke von der Seide die Ihre Haut streichelt, lässt Ihnen einen wohligen Schauer über den Rücken gleiten. Dann die angenehme Wärme die Sie mit dem federleichten Wollkleid empfinden. Das alles bieten Kleider aus Naturmaterialen und natürlich einer guten Passform.
Modisch soll es sein, sagen Sie. Selbstverständlich gehört der modische Chic auch dazu.
Täglich stehe ich vor der Herausforderung, solche Kreationen zu gestalten und anzufertigen.
Erst diese Woche bekam ich von einem Kunden zu hören, so gut hat noch keine Hose gesessen. Es war mein Kunde in Größe 62 mit dem Smoking. Genau auf solche Kleinigkeiten kommt es in der Maßschneiderei an, der Kunde soll sich in seinem Kleidungsstück wohl fühlen.

Nun aber weiter zu den Weihnachtsfeiern.

In unserem Ort befindet sich ein Namhafter Autokonzern, der zur Zeit auf Erfolgskurs ist und einige Damen aus den Büros kommen und lassen sich Ihre Festtagskleidung noch schnell optisch in Form bringen, damit die Feier auch aus der Kleidersicht ein voller Erfolg wird.
Andere bekommen für diesen Anlass ein Maßgeschneidertes Einzelstück, individuell für Sie gefertigt und das tolle daran, es läuft Ihnen hundertprozentig kein doppeltes Lotchen über den Weg.
Um all diese Wünsche zu erfüllen, heißt es momentan, einen ganz strammen Arbeitstag zu absolvieren, 10 bis 14 Stunden sind dabei keine Seltenheit.

Aber trotz der ausgefüllten Tage möchte ich nicht klagen, denn ich liebe diesen Beruf und es macht mich glücklich, wenn die Menschen wieder etwas mehr wert auf gute Kleidung legen.

Die letzten großen Aufträge habe ich fertig gestellt, die Anfertigung eines Herrenanzugs mit Weste und einer Trachtenjacke, beide Teile waren für „Große Mode“ das heißt, für die Herrengröße 62 und Damengröße 50. Die Teile für die Dame und Herr habe ich Schnitttechnisch so ausgefeilt, dass die Größe am Endprodukt nicht mehr im Vordergrund stand

Meine Kundin mit der Trachtenjacke hat es sehr passend ausgedrückt, auch kleine Dicke kann man so verpacken, dass sie gut angezogen sind.
Natürlich war es eine ganz schöne Herausforderung, die Maße zu verpacken, dass alles im richtigen Größenverhältnis zueinander passte. Allein das Anbringen der vielen Taschen, von der Paspeltasche bis zur eingeschnittenen Leistentasche, wobei die Leiste mit einem Paspel aus dem Besatzstoff der Trachtenjacke verziert wurde. Überhaupt waren Fingerfertigkeiten angesagt, die nicht jeden Tag auf dem Plan stehen. Vom Paspelknopfloch über den eingepaspelten Stehkragen, die gepaspelte vordere Kante war alles vorhanden.
Es ist sehr schön, wieder einmal die ganze Bandbreite des erlernten Handwerks anwenden zu können, so zu sagen eine kleine Herausforderung.

So ganz nebenbei habe ich noch einige kleine schwarze Kleidchen hergestellt, die ich nächste Woche auf meiner Webseite einstellen möchte, vorausgesetzt mein Modell hat Zeit, für die Bildchen, die wir noch schießen müssen, damit die „kleinen schwarzen“ ganz groß raus kommen. Wenn nicht muss die Puppe zum Fotogravieren herhalten. Es sind alles Einzelstücke, einfach mal bei www.massundmehr.de vorbei sehen.

Für die Hobbyschneiderinnen stehen ja verschiedene Taschen zum Nacharbeiten im Online Workshop Scherenschnitt zur Verfügung, sowie der Arbeitsablauf für einen Rock und eine Bluse. Wer Lust hat sich wieder einmal in die Welt der Kreativen zu stürzen, kann sich vielleicht hier eine Hilfestellung für sein Traum Outfit holen.

Jetzt mache ich für Heute Schluss mit meinem Bericht aus dem Schneideratelier, denn wie sagt man so schön, es gibt viel zu tun, packen wir es an.

Edith F

Kommentar