Man glaubt es kaum, aber diese breite Palette an Maßanfertigungen steht mir zur Zeit zur Verfügung. Eine tolle Aufgabe, all diese Teile herzustellen.
Nur regt sich in mir die bange Frage, wo fange ich an. Jeder möchte gern sein neues Kleidungsstück als erster bekommen und keiner der Kunden soll vernachlässigt werden. Da heißt es mal wieder ein gutes Zeitmanagement aufstellen und möglichst keine halbe Stunde unsinnig vertrödeln.
Trotz dieser Überlastung bin ich doch sehr glücklich über diese wunderschöne Auftragslage, es befreit doch etwas von den Sorgen und setzt die kreative Ader in Schwung.
Als erstes trudelte schon im August der Auftrag für eine Trachtenjacke ein, der Stoff ein ganz konservativer grüner und dunkelroter Lodenstoff. Bei dieser Jacke kommt es auf eine besonders Vorteilhafte Schnittführung an, denn die Kundin ist sehr klein und nicht ganz schlank.
Beim Herrensakko liegt die Schwierigkeit woanders, nämlich bei der äußerlichen Optik. Das gute Stück wird für den Elferrat gebraucht und hat daher eine rote Farbe und einen schwarzen Schalkragen, ist somit eine Smokingjacke. Dazu passend gibt es noch eine schwarze Hose und Weste. Den passenden Damensmoking habe ich noch nicht in Angriff genommen, denn dies würde mein Zeitmanagement momentan nicht mehr hergeben. Wobei der Kunde seinen neuen Smoking natürlich in der kommenden Kampagne tragen möchte.
Das heißt für diese und die nächsten Wochen Arbeit ohne Ende, denn es warten noch meine beiden älteren Damen 81 und 91 Jahre auf Ihre neuen Kleider, auch Sie möchten schön sein in der kommenden Wintersaison.
Bei jedem dieser Aufträge steht das Handwerk des Schneiders an erster Stelle, denn ohne diese Grundlage ließen sich solche Spezialtanfertigungen wie ein Smoking oder eine Trachtenjacke nicht verwirklichen. Denn es kommt zwar auch auf das Nähen an, aber die Kunst des Ganzen liegt unsichtbar in der Innenverarbeitung und diese erlernt man in einer fundierten Aus- und Weiterbildung im Schneiderhandwerk.
Hier noch einige Tipps für die Hobbyschneiderinnen zum Thema Einlage.
Sie wissen warum unsere Kleidungsstücke nach der Verarbeitung etwas anders aussehen, nein? Nun das Geheimnis liegt nicht unbedingt in unseren Nähkünsten, sondern eben in der oben erwähnten Innenverarbeitung. Durch das fixieren mit der entsprechenden Einlage, bekommen wir die Optik die wir wünschen und erleichtern uns zusätzlich die Verarbeitung. Es ist zwar bei der Vorarbeit ein größerer Aufwand, die einzelnen Teile zu fixieren, aber dieser zahlt sich bei der Verarbeitung wieder aus. Um das Ganze dann abzurunden, gehört ein Arbeitsablauf dazu der vorgibt, welche Naht wann und wo geschlossen wird. Wenn Sie es ausprobieren möchten, kann ich Ihnen meinen Rockprofi empfehlen.
Soviel zu meinen Einblicken in mein alltägliches Arbeitleben,
bis bald Edith F